Dienstag, Dezember 26, 2006

Mele Kalikimaka


"Nun sind sie vorbei, die festlichen Tage..."
So in etwa begann der Blog-Eintrag zum letzten Weihnachtsfest. 365 Tage später und um einen Geburtstag reicher tippe ich ein paar Thoughts ins treue und noch immer stabil laufende Laptop - doch sitze ich hier am anderen Ende der Welt, in einem anderen Leben und unter einem wirklich differenten Sternenhimmel.
Und auch hier, in der Mitte des Pazifik, macht man sich so seine Gedanken über das Gewesene, das Kommende und nicht zuletzt über Sinn und Unsinn unseres konsumgesteuerten Wahns. Und während auf der einen Seite der Insel die Sonne untergeht und Strände in traumhafte Farben tränkt, kämpfen auf der anderen Seite die Wolken über den vulkanischen Gipfeln ihren abendlichen Kampf, so dass man den Regen schon sehen kann.

An einem Platz wie diesem, wo kein Tag dem anderen gleicht und Mutter Erde jeden Tag aufs neue zeigt, wie unsagbar schön sie ist,... an eben diesem Platz schmerzt einen jeder Schritt in Richtung Gleichgültigkeit und Ungleichheit mehr als anderswo - vermutlich. Und das Fest wird zu einem wirklich Besinnlichen.

Wenngleich der Schnee fehlt, die Kälte, der Glühwein,... und nicht zuletzt die Augen meiner Tochter - Lichterglanz und Kinderaugen gibts auch hier, und nirgendwo sonst sah ich soviel Bereitschaft, andere teilhaben zu lassen am eigenen Glück.
Vielleicht etwas, was ich erneut gelernt habe: Manchmal gehts halt nicht "ganz" - aber es muss dann nicht immer gleich "gar nichts" sein ...!

Mele Kalikimaka

Montag, Mai 29, 2006

Ein Stück Musik


"Alle Worte die ich sage sind nur Blindtext,
und ich warte, dass irgendwer was einsetzt..."
(Tom Albrecht; "Fern von Hier")

Da entdecke ich beim stöbern und recherchieren einen nicht mehr ganz neuen Artist in den Fluten des "WeltWeitenWahnsinns" und stelle mir erneut die Frage, was die deutsche Musikindustrie eigentlich noch alles an sich vorbeiziehen lässt, während irgend eine Andrea Berg ihren Unsinn in die Charts lügt und die fünfhundertachtundzwanzigste Castingshow der ohnehin schon jämmerlichen TV-Welt den Rest gibt.

Wir werden sehen.

Das Album des Herrn Striegl geht jedenfalls in die Endphase, Mischtermine stehen fest, und es wird ohne Frage ein schönes Stück Musik.
Dann kommt der Sommer, und meine Reisetasche wird erneut den Aufenthaltsort wechseln. Seltsam, wie sehr man sich an diese Heimatlosigkeit gewöhnen kann. Offensichtlich findet man die Dinge stets dort, wo man sie nicht vermutet, und eines fand ich ohne Frage wieder in den vergangenen Monaten: ein ganzes Stück Musik.

to be continued ...

Mittwoch, Mai 10, 2006

Der gute Geschmack


Ich fahre den Wagen bei satten vierundzwanzig Grad aus der Kölner Innenstadt und komme soeben von einem sehr netten wie auch informativen Treffen (neudeutsch: Meeting). Nach so manch verbalakrobatischer "wir ändern die Welt Attetúde" und unzähligen Kaffees mit den verschiedensten Collaborationsanwärtern (die man sich im Nachhinein hätte schenken können), ging es bei diesem Treffen ausnahmsweise mal um das, was eigentlich meine Passion ist: um Musik, Inhalt, Kunst und nicht zuletzt um den guten Geschmack.
Über diesen lässt sich bekanntlich streiten, dennoch ist wohl kaum noch wegzudiskutieren, dass es dieser Gesellschaft (neben so einigen anderen Wehwehchen) an eben diesem in hohem Masse mangelt.
Heute wurde ich wieder einmal davon überzeugt, dass es auch hierzulande noch Ausnahmen gibt, und empfehle jedem, sich folgenden Link zu gönnen: Khalil Gibran (Maraton). Es lohnt sich literarisch, wie auch musikalisch.

Kaum verlasse ich das Konrad-Adenauer Ufer, da sprudelt mir aus den Türlautsprechern des Wagens ein Beitrag des Südwestfunks ins Ohr, der sich kurz damit befasst, dass Untersuchungen zufolge die Geschmackssinne der heranwachsenden eine äusserst bedenkliche Rückbildung aufweisen. Durch den massigen Konsum von künstlichen Aromastoffen ist zum Beispiel die Geschmacksrichtung "Bitter" für fast alle Probanden nicht mehr wahrnehmbar gewesen. Naturbelassenes schmeckt für die Tespersonen fade oder zuweilen nach gar nichts. Und da die Auswahl der Nahrungsmittel eben danach getroffen wird, sind Gemüse und Obst für die Kandidaten einfach nicht auf der Liste, Erdbeershake und Zitroneneis hingegen ganz oben. Wie eine Erdbeere eigentlich wirklich schmeckt, war dann für die meisten eine (leider) enttäuschende Überraschung.

In der Hoffnung, dass die Dieter Bohlens der Nahrungsmittelindustrie alsbald von Seiten der Krankenkassen in die Verantwortung gezogen werden (ich armer Idealist.....), fahre ich der Mittagssonne entgegen und versuche, weiter zu atmen. Ein, ... und Aus.... und Ein .....und ....

Mittwoch, März 29, 2006

Sommerzeit

Ich überfliege den Feuilleton der "Zeit" und sage mir "zeitgleich", dass ich eigentlich gar keine habe - Zeit.
Noch immer amüsiert über den "Monolog des modernen Spiessers" beschliesse ich, fortan öfter meine Nase ins Geschreibe des Florian Klenk zu stecken.

Meine Agenda ist ausgefüllt, wenn auch nicht zwingend mit gewinnbringenden Aktivitäten. Aber das ist ja nichts neues. Draussen mutet es frühlingshaft an, und doch traue ich dem Gezirpe und Gezwitscher aufwachender Winterschläfer nicht wirklich. Denn erst vor wenigen Tagen noch haben meine Scheibenwischer auf der A1 Richtung Norden alles andere gewischt als Regentropfen.
Sei´s drum - ich stelle mich ein auf Latté Macchiatos im Freien, Sonnenbrille und Dreiviertel-Leinen. Nicht zuletzt baue ich auf UV-Strahlung in Massen und auf einen fulminanten Anstieg der Anzahl lächelnder Gesichter.

Also, ab in die Sommerzeit - wenn auch vorerst nur auf dem Zifferblatt unserer Armbanduhren.

Sonntag, März 05, 2006

Tautropfenwelt

Zurück in rheinischen Gefilden lächelt mir das Leben in gewohnter Manier und vertrauter Gestalt ins Gesicht und flüstert mir ins Ohr: "Na, Pläne geschmiedet? - Vergiss es !"
Also modifizieren wir in bestmöglicher Gelassenheit die Agenda 2006 und treffen ein Abkommen. Ich füge mich und geb´ mir weiterhin Mühe, fortan halb volle Gläser zu sehen statt halb leere.
Belohnt wird diese Haltung auf dem Fuss folgend in Form von Jobs und regem Interesse an meiner Arbeit.
Striegls Album nimmt Formen an, und während Tom seine laufende Nase in Papiertaschentücher steckt, meine Schwester im Pfälzischen einschneit und der Winter sich nochmals von seiner besten Seite zeigt, sitze ich über einem Drehbuch und lese mich in das Projekt.

Zwischendurch baute ich nachts in einer Hinterhof-Wohnung am Kölner Eigelstein den Bechstein der Pianistin auseinander, während um uns herum der karnevalistische Wahnsinn tobte.
Spaghetti und sonstiges besorgten wir uns kurz zuvor in den Katakomben des Hauptbahnhofs, der nur einen Steinwurf entfernt den maskierten, tanzenden und grölenden Menschenmassen standzuhalten versuchte. Lächelnd jagten wir durch das Szenario um möglichst schnell wieder von der Strasse zu kommen. In dieser Stadt herrscht während der tollen Tage absoluter Ausnahmezustand.
Einziger Vorteil: es gab ne Menge freier Parkplätze, da die meisten mit dem Zug oder in Fahrgemeinschaften anreisten.

Sie spielte, ... ich spielte ... in die Nacht!

Ansonsten bringt ein Zitat des japanischen Haiku-Dichters Issa in diesen Tagen mein Inneres wohl am besten auf den Punkt:

Tsuyo no yo wa
tsuyu no yo nagara
sari nagara

(Diese Tautropfenwelt
ist eine Tautropfenwelt,
.. und doch ...)

Dienstag, Januar 24, 2006

Nordwind


Während ich mir im Flieger ein paar Seiten von Schätzings "Der Schwarm" reinzog, kämpfte der Co-Pilot mit der Landungsroutine bei Schneefall. Mein Rücken schmerzte, und ich dachte mit Unbehagen an die noch bevorstehende Autofahrt vom Hamburger Airport nach Kiel.
Schlussendlich ging´s dann doch - und derzeit spaziere ich mir die Bandscheiben wieder gesund.

Willie Nelson duettiert mit Bonnie Raitt in "You remain", und ich schmunzle zufrieden über den Luxus, mit Laptop und iTunes immer und überall in den Genuss meiner Songsammlung zu kommen.
Noch immer habe ich nicht wirklich den Geruch der See in der Nase, und die derzeitige Wetterlage lädt nicht gerade zu stundenlangen Spaziergängen an der Küste ein. Es sei denn, man steht auf Schmerzen in Folge von Erfrierungen an Ohren und Nase. Und irgendwie macht sich Ungeduld breit.
Ich gehe ein wenig vom Gas, reize die Gastfreundschaft einer lieben Freundin weiter aus und erkläre mich mit den Nächten auf der Couch komfortabel. Vom Gästebett zur Gästecouch - von grossen Sprüngen kann hier noch nicht die Rede sein.

Also nehm ich ´n bisschen Druckluft aus meinem Erwartungsballon und lasse mir noch ein paar weitere Tage den Nordwind um die Ohren blasen. Mal schauen, ob ich nicht doch noch so´n Headphone für das neue MP3-Handy bekomme. Fotos schiessen kanns ja schon .

Dienstag, Januar 03, 2006

Unfallfrei ins Neue ?!


Eigentlich war es ein besinnliches und schönes Silvester, umgeben von Freunden und gutem Essen. Kauend und schlemmend verabschiedeten wir das alte Jahr, und nach dem der klemmende Korken der Sektflasche dann doch noch nachgab, konnten wir das neue Jahr willkommen heissen.
Einen Martini "on the rocks" und nen Whisky später haute ich mich auf die nicht wirklich harte Luftmatratze in Toms Wohnzimmer und schlief mich müde genug nach 2006. Nachholbedarf gabs allemal, da ich in der Nacht zuvor bei Schneesturm und tendenziell steigenden 30cm Weiss das neue iBook inklusive WLAN meines Bruders an den Start brachte. Da so was ja nie wirklich problemlos über die Bühne geht, wurde es eben halb fünf. Anyway.
Die Quittung für die beiden Nachtsessions folgte aber auf dem Fuss, am Montag, in Form schleichender Schmerzen im Rücken, die sich langsam aber zielsicher zu ner heftigen Entzündung entwickelten.

Nun, die Rückenabteilung war längst überfällig, sicher, und ich versuche nicht zu jammern. Das Timing passte mir aber grad gar nicht, da ich am kommenden Sonntag im Flieger sitzen wollte, und bis dahin noch eine Terminsache auf dem Klavier liegen habe. Aber "Sitzen" steht derzeit nicht im Ansatz auf meiner Agenda, schon gar nicht am Klavier - allenfalls Stehen oder Gehen ist motorisch und schmerzsensorisch unbedenklich. Folglich werde ich mich neben schmerzlindernden Massnahmen um ein neues Timing in Sachen Kompositionsabgabe kümmern, und meinen Flug am Sonntag um ne Woche verschieben. Mal sehen, ob das ohne vierzig-Euronen-teure Telefonate geht.

All denen, die auch nicht ganz unfallfrei ins neue Zweitausendundsechs geschlittert sind, hier oder anywhere else, wünsche ich von Herzen das Beste. Den anderen natürlich auch.
Das Motto jedenfalls lautet:

Wer was ändern will, sucht nach Wegen,
wer nichts ändern will, sucht nach Gründen!

Upnamoltdis

Sonntag, Dezember 25, 2005

Besinnliche Tage


Nun sind sie vorbei, die festlichen Tage. Tom entschied sich nach einer Flasche "Gutem Trockenen" kurzerhand, das Last-Minute-Angebot per Mausklick zu buchen und hockt derweil irgendwo auf Zypern, all inclusive. Während er am heiligen Abend in die Hotelbar eincheckte, sass ich bei Raclett nahe der französischen Grenze im nicht ganz kompletten Familienkreis und staunte unentwegt darüber, was man mit eigener Hände Arbeit, viel Zeit und nicht zuletzt eisernem Willen aus einem maroden Bauernhof machen kann.

Schnee gibts erst heute, und dann gleich zehn Zentimeter über Nacht. Ski und Rodel gut - selbst im wintervergessenen Rheinland. Nun, ich klage nicht wirklich, blieben mir doch durch Frau Holle´s Verspätung vierhundert Kilometer Chaos-Winter-Autobahn erspart, und ich cruiste gemütlich und vollkommen stressfrei in die südliche Pfalz und zurück.
By the way - wann behaupte ich schon mal, dass etwas stressfrei ist...?!

Also bleiben noch die restlichen Tage des Jahres. Viel zu tun gibts nicht mehr, und die Posten auf meiner Agenda 2005 sind alle abgehakt. Der Flieger ist gebucht, und ich werde versuchen, die noch verbleibenden Tage hier besinnlich zu verbringen. Restgedanken verwerten, so was in der Art.
Ich freu mich auf die Küste, und auf den Abschluss eines Jahres, das in vielerlei Hinsicht ein entscheidendes war.

Samstag, Dezember 10, 2005

Latrinen Willy


10. Dezember, es ist scheisskalt, und ich folge trotz allem der spontanen Einladung meines Bruders zum Nacht-Weihnachtsmarkt im Ahrtal-Idyll.
Durch Steffs überraschenden Besuch war ich bereits ein wenig im Delay, also hoffte ich auf freie Strassen und drückte noch mal ein wenig aufs Gas.
Als ich auf die Bundesstrasse abbog, fiel mir gleich die ankommende Schlange im Rückspiegel auf, und ich begrub meine Zuversicht in Sachen Pünktlichkeit.
Ein stinkender Unimog mit Bauwagenanhänger raste mit nahezu vierzig km/h in Richtung Norden. Und mir bleib nichts anderes, als mich auf gleicher Höhe neben ihm fahrend dafür zu entscheiden, mich unmittelbar hinter diesem schleichenden Verkehrshindernis einzureihen.
Somit belegte ich dann Platz zwei im Convoy, der sich schleppend und stinkend durch die eiskalte Nacht hustete.

Erst nach einigen Kilometern machte mein Kopf scheinbar ne Pause, und ich las die Werbeaufschrift in grossen weissen Lettern auf der Rückwand des roten (vermeintlichen) Bauwagens. "Latrinen Willy - Toiletten-und Duschwagen Verleih", gefolgt von der Handynummer des Herrn Unternehmer.
Ich tuckerte also schon seit Minuten hinter einem Scheißhaus-Wagen her, der ausser mir noch 20 weitere Nachtschwärmer ausbremste, und meine Gedanken kamen nicht umhin, das Szenario weiter zu spinnen, würde es hier zu nem Auffahrunfall kommen.

Da ich meinen zweiten Platz im Nachtzug noch immer inne hatte, wäre ich im Falle ohne Frage der Gearschte. Anyway - was auch immer sich hinter dieser Anhängerrückwand befand, ich fuhr ohne Frage auf der Pole-Position!
Als an der nächsten Ampel auch noch klar zu erkennen war, dass es an diesem Vehikel keine Bremslichter gab, konnte ich das unvermeidbare Drama schon förmlich riechen. Eine kleine Unaufmerksamkeit, ein unkonzentrierter Moment, und wohlmöglich würde mir so dann "die Scheisse bis zum Hals stehen".

Also riss ich den Blinker nach unten und startete ein gewagtes Überholmanöver, vorbei an Latrinen-Willy und seinem Mobilklo. So konnte ich meine abendliche Geburtstagsfahrt ungehindert fortsetzen, wenngleich ich noch das ein oder andere mal schmunzelnd an denjenigen denken musste, der nach mir Platz zwei belegte...

Dienstag, November 29, 2005

Fleminggatan


Ich laufe die Fleminggatan hinunter, zieh mir den Kragen der Jacke noch mal nach und rauche ne Half-zware. Die Strassen in Stockholm sind hell erleuchtet, in den Cafés herrscht reger Verkehr, und ich hänge meinen Gedanken nach. Wie schön es doch war, Richard nach all den vielen Jahren wieder zu sehen. Die Zeit war ohne Frage zu knapp, und wir hätten uns sicher noch so einige Latté Macchiatos lang Anekdoten der vergangenen achtzehn Jahre zu erzählen gehabt.
Ich vertage den Gedanken auf ein nächstes Mal, lege im selben Augenblick meinen erneuten Besuch in Stockholm als gebucht in die Ablage und lächle.

Einige Stunden später sitze ich im Fasching-Jazzclub und warte auf Michael´s Gig, während ich mir den Lachs schmecken lasse. Mein Body schreit nach Nahrung, und mit jedem Bissen kehrt ein Stück Leben in mein übernächtigtes Dasein zurück. Patrick, Vanessa und der Herr Striegl lassen sich ein paar Biere bringen, während ich mit Wasser vorlieb nehme, erstmal.
Michael & Band spielen erwartungsgemäss hervorragend, wenngleich ich den ein oder anderen Kommentar des Herrn Songwriter nicht so wirklich cool finden kann. Anyway - ich sitze in einem Stockholmer Club und Michael spielt "Tribute to you"...!
Der Hauswein schmeckt eher nach "House-Party-Wine", und ich nehme Abstand von dem Gedanken an ein zweites Glas. Dafür entschädigt jedoch noch immer das Menu. Nicht zuletzt trägt auch das allgemeine Rauchverbot in schwedischen Bars und Cafés dazu bei, sich wohl zu fühlen. Die Nacht kann kommen !

Frühstück im Radisson, excellent. Ausgecheckt und raus ins Schneetreiben, das über Nacht die Stadt in weiss gekleidet hat. Keine Frage, Wollmützen sind hier oben ein absolutes "must have".
Wenig später sitzen wir in einem kleinen Cafe´ in der Kungsgatan, und ich starre durchs Fenster, zähle die Flocken und möchte einfach nur bleiben...
Kein klarer Gedanke macht sich breit, und ich weiss, dass ich diese Leere, die angefüllt ist mit Impressionen der vergangenen vierundzwanzig Stunden, mit zurück nehmen werde, ohne wenn und aber.
Bis auf ein paar unbedeutende Einwürfe meinerseits ist von mir nicht viel zu hören.
Lange her, dass mein Mundwerk so wenig von sich gegeben hat binnen vieler Stunden, und ich mit weniger als fünf Kippen am Tag komfortabel war.
Umso bezeichnender, dass ich dafür erst nach Schweden fliegen muss. Also muss ich wieder hin - a.s.a.p.

Samstag, November 19, 2005

Wie man sich bettet, so liegt man

Es war ne kurze Nacht. Nicht, dass es die erste gewesen wäre, nach der sich mein Körper am nächsten Morgen meldet und fragt, ob ich noch ganz bei Trost bin. In jüngeren Jahren ging dieser morgendlichen Mattheit immer ein weinhaltiger Abend voraus, heute jedoch krieg ich das frei Haus, ohne einen Tropfen des teuren Gesöffs.
Woran das wohl liegt?
Trixi bekocht derweil ihre Zwerge, wie sie mir vorhin schrieb, und ich falle langsamen Schrittes aus der Dusche im Gästehaus, krame in der Reistasche nach frischer Baumwollware und spür das Dauerabo in den Lendenwirbeln. Wie prickelnd ...
Es wird kalt, Temperatursturz binnen zwei Tagen, und so sehr ich mich auf Schweden freue, es ändert nichts daran, dass ich meine Garderobe noch einmal einer Wintertauglichkeitsprüfung unterziehen sollte.
Die Nummer mit dem Operator der ominösen Fluggesellschaft ist zwischenzeitlich durch die Buchhaltung spaziert: vierzig Euro (in Ziffern: 40!) hats laut Herrn Striegl gekostet. Das macht Laune. Dafür telefonieren andere zwei Monate lang - wir hingegen schafften das in schlappen zwanzig Minuten.

Mein gestriger Spontanbesuch bei meinen Lieben in Oberwinter endete am Krankenbett der chirurgischen Abteilung. Dort liegt Albert seit nunmehr drei Wochen. Als ich zuvor in Siggis Haustür stand, sagte ich unmittelbar nach dem HALLO, dass ich seit zwei Wochen daran denke, vorbei zu schauen, aber es irgendwie nie geschafft hätte. Sie schaut mich fassunglos an und erzählt mir dann die ganze Story, und dass sie am morgen noch meine Nummer gewählt habe. Ja, es gibt eben Geschehnisse, die bedürfen keines konventionellen Informationsflusses. Man spürt einfach, dass da was nicht stimmt - egal wie weit man weg ist.

Eigentlich müsste ich mich längst um meine Hamburgreise gekümmert haben, aber da die zurückliegenden Monate durchweg mit "Geduld und Gelassenheit" überschrieben waren, lächle ich und verschiebe die notwendigen Telefonate auf morgen. Dann wird sich auch meine Wirbelsäule ein wenig erholt haben, und ich muss das Telefonat nicht alle fünf Minuten mit einem "mmh" und "ahhh" unterbrechen.

Sonntag, Oktober 23, 2005

Niemand vermisst uns

Bosse - Album: "Kamikatzeherz"

"Niemand vermisst uns
und auch die Nacht vergisst uns schon
Was du hörst sind nur Echos
Und die bleiben für immer
Niemand vermisst uns
und auch die Stadt vergisst uns schon
Wir trampen vor bis zum Rücksitz
und schlafen zum Meer"

Dienstag, Oktober 11, 2005

Stockholm hin, zurück mal sehen


Die Buchung des Stockholmfluges erwies sich als zeitraubende Vormittagsbeschäftigung, und die Vorfreude auf das Ereignis tropfte minütlich in Schweissperlenform von Markus Stirn. Da er sich dem Schwedentrip spontan anschloss und wir seine Kreditkarte zur Buchung nutzten, bestand mein Job eigentlich mehr darin, dem Herrn Striegl den Schaum vom Mund zu wischen, der sich während des äusserst unangenehmen Gespräches mit Callcenter-Operator 1 immer wieder aufs neue bildete.
Die doppelte Namensangabe in der Flugbestätigung per Mail war wohl eher ein Systemfehler, der sich auf der äusserst "professionell" gestalteten Buchungs-Website eingeschlichen hatte. Ein Mann kann ja unmöglich zweimal am selben Tag mit der selben Maschine ein und den selben Flug absolvieren...
Zudem wäre es an Dummheit kaum mehr zu übertreffen, wenn jemand einen Flug bucht, sich selbst dabei begleiten möchte, und dann gleich zwei Tickets ordert. So ein Ausflug, am Wochenende, nur ich und ich, wir zwei ganz allein.
Mangelnde Intelligenz seitens Mr. Operator 1 war nicht wirklich überraschend, seine Unverschämtheiten und die ungehobelte Wortwahl schon eher. Das Angebot, er könne den ersten Namen (der zudem orthographische Fehler aufwies) unter Umständen ändern, "nur der zweite koste dann fünfundsechzig Euro", war wenig einleuchtend.

Ich wischte also weiterhin Schaum und kümmerte mich mittlerweile zusätzlich um koffeinhaltigen Nachschub. Markus kochte derweil schneller und heisser als eine Espressomaschine es je könnte, und somit bekam mein Job schon leicht sportive Züge.
Die eindeutige Feststellung, dass das System wohl nen Fehler gemacht haben musste, erstickte abermals völlig erfolglos in der Unnachgiebigkeit von Operator 1.
Die Uhr tickte, und die Euros flossen nur so durchs Funknetz. Kein Weiterkommen. Markus Stimme veränderte auf sehr beunruhigende Weise ihre Klangfarbe. "Und jetzt will ich ihren Chef sprechen!"
Der Operator fackelte nicht lange, drückte auf die Verbindungstaste, und Stille machte sich breit. Minuten lang... Dabei blieb es auch. Es war wohl eher die "Leck- mich-am-Arsch-du-Scheisskunde-Taste".
Also startete der kochende Rockstar nen erneuten Anruf - tarifstabil, versteht sich.

Operator 2 war da schon freundlicher. Er schaute nach, und das Procedere mit Flugnummer und Erklärung der Situation startete erneut. "Einen Moment bitte", seuselte es durchs Funknetz, und wieder ruhte der See.
Stille. ...
Dann ein erneutes "Hallo". Offensichtlich hatte OP1 einen Vermerk ins System getippt: "Schwieriger und nicht abzockbarer Kunde", oder so etwas in der Art. OP2 war zwischenzeitlich also in Kenntnis gesetzt vom erfolglosen Gespräch mit seinem evolutionsvergessenen Kollegen. Wir waren vermutlich in der nächsten Abteilung gelandet, dort, wo man eben landet, wenn man nicht kommentarlos und nickend die Asche überweist.
Hier zeigte man sich schon etwas flexibler ob der "bindenden Geschäftsbedingungen", und mal ehrlich: wer will schon Ärger mit seinem Vorgesetzten?!
Plötzlich kostete das Ganze nur noch zwanzig statt fünfundsechzig Euro - zehn für jeden Namen. Also war der türkische Basar doch nicht in irgend einer Ausschliesslichkeitsklausel der Ryanair-Hausordnung wiederzufinden.

Natürlich brauchte man nochmal die Daten (wenngleich OP2 sie noch einige Euro früher laut und deutlich vorgelesen hatte), inklusive der Kreditkartennummer. "Zehn... ich wiederhole ..zehn .... fünfundvierzig ..... moment, jaa,...fünfund....." -
Vier Euro und ein paar Cent später waren die Daten dann nochmal schön langsam von Hand eingetippt, die Namen korrigiert, und die bevorstehende Abmahnung seitens der Abteilungsleitung abgewendet. Markus war sichtlich erschöpft, aber wohl eher von dem kochenden Blut und der leider unabänderbaren Tatsache, in Momenten wie diesen solchen Leuten nicht "Face to Face" gegenüber gesessen zu haben.
In diesem Fall nämlich hätte ein frontaler Schlag in die Kauleiste von OP1 schon ausgereicht, um einen Fehler, der völlig offensichtlich computertechnische Gründe gehabt haben muss, zu korrigieren.
OP2 verabschiedete sich, Markus warf das Handy auf den Tisch und atmete schwer. Seine Gesichtsfarbe hätte man in Anbetracht der herbstlichen Wetterlage als gesund bezeichnen können. Ich dachte eigentlich eher daran, ihm unverzüglich
Wasser zu bringen und den Kaffeekonsum bis auf weiteres zu stoppen.

Und die Moral: bei Ryanair immer alles gaaaanz laaangsam ausfüllen, damit du nicht versehentlich mit dir selbst in urlaub fliegst, und dich am Ende des ersten Urlaubstages nicht fragst, wo eigentlich deine Begleitung geblieben ist. Ihr hattet doch zu zweit gebucht..?!

Freitag, Oktober 07, 2005

See you later, dad


Und erneut öffnete sich die Besucherschleuse zur Intensivstation der Inneren Abteilung. Der Weg führte vorbei an unzähligen und durch grosse Glasflächen einsichtige Stationszimmer. In jedem einzelnen dieser Räume eine Geschichte, ein ganz eigenes Schicksal. Aus allen Richtungen ertönt das Gepiepse von ausgelaufenen Infusionsaparaturen. Gelassenheit auf den Fluren, keine Hektik, null Stress. An einem Ort wie diesem zählt all das nicht mehr. Zeit ist hier mehr als nur relativ. Das lernte ich in den zurückliegenden Wochen ohne Frage. Und das ist nun schon ein ganzes Jahr her ...

Dad lag scheinbar ruhig und entspannt und noch immer voll verkabelt auf dem Rücken, und die Bewegungsautomatik des Betts stand auf Stop. Wenngleich sich sein Brustkorb hob und senkte, so wusste ich dennoch, dass nicht er es war, der atmete. Wie sehr man sich doch mit einem solchen Anblick arrangiert hatte in den vergangenen Wochen...? Ich erschrak bei dem Gedanken, doch sogleich wurde mir klar, dass dieser Besuch unser letzter sein würde. Unser letztes Treffen, wir alle zusammen. Chris sass erschöpft auf einem Stuhl neben dem Bett, den Kopf auf Dad´s Bein ruhend, und manchmal schloss sie ihre Augen für einige Minuten. Dirk und Mom standen rechts und links am Kopfende, und immer wieder strich Mom´s Hand durch sein Haar. Auf dem Boden Anke und Kalle, müde und schläfrig. Ich hielt seine Hand, sprach mit dem Wind und bat ihn, für mich zu übersetzen. Wir alle spürten, dass nun der Augenblick gekommen war, auf Wiedersehen zu sagen. Ich weiss nicht, ob ich an alles dachte, was ich noch hatte sagen wollen, und ob es von Bedeutung gewesen wäre. Aber wieder einmal mehr begriff ich, dass es für alles im Leben den richtigen Augenblick gibt. Und wenn man ihn nicht als solchen erkennt, wird das ein oder andere im Leben als Leerzeile zurückbleiben.

Noch immer beeindruckt von der Rede meines Bruders, die er auf der Trauerfeier vor all den fassungslosen Gesichtern hielt, bleibt mir an einem Tag wie heute nur, mich eben dieser Rede zu erinnern und noch einmal zu lauschen.
Wenngleich man um die Tatsache weiss, dass alles im Leben seinen Platz hat, alles seine Zeit und es immer irgend etwas geben wird, das es noch zu erledigen gilt, so ist in Augenblicken wie diesen eine unabwendbare Einsicht die wohl grausamste: Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war.

See you later, dad !

Mittwoch, September 28, 2005

Alles, wie es sein soll...?!

28. September...- ich sitze im Kombi Richtung Süden. Aus dem CDplayer ertönt Don Henley´s "Taking you Home", und ich drehe mir ne Halfzware, während mein linker Oberschenkel einige Momente und mehrere hundert Meter lang die Lenkung übernimmt. Irgendwann werden sie mich anhalten und im Anschluss an das obligate "Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte" fragen, ob ich sie noch alle habe. Drauf geschissen. Fünfhundert Kilometer für ein Lächeln. Nein - für das bezauberndste Lächeln überhaupt! Ein Hotelzimmer hatte ich im besten Haus am Platz gebucht, und je näher ich dem südlichsten Zipfel des Landes kam, um so mehr fühlte ich wieder diesen Zauber des Lago de Maggiore, der mich noch fünf Wochen zuvor in seinem Bann hatte.
Das Hotelzimmer brauchte ich nicht wirklich, denn das Lächeln und ich verbrachten die Nacht damit, Lebkuchenherzen aus dem Vorweihnachtssortiment zu futtern, während wir uns einander vom Leben erzählten. Doch das ist nun schon viele Monde her ....

Und heute ist wieder der achtundzwanzigste. Das Lächeln aus dem Süden gibt es leider schon lange nicht mehr. Joerg Pilawa quized noch immer um 19.30 Uhr, "Herzblatt" wird auch wiederholt, den elften September hat man bedächtig verbracht, und auch auf den obligaten Sonnentiefstand um diese Jahreszeit ist Verlass. Alles im Lot? Alles, wie es sein soll? Fast...! Dad ist nicht mehr da, und er fehlt. Mein Diktiergerät füllt sich nur langsam mit Melodien, und Langsamkeit ist etwas, was mir nicht wirklich liegt. Stockholm ist gecancelt, vorerst. Kaufinteressenten für das Haus geben sich nicht gerade die Klinke in die Hand, und meine handwerklichen Fähigkeiten sind dann jetzt auch erschöpft. Bevor ich also noch etwas kaputt repariere, lass ich die Dinge, wie sie sind. Alles, wie es sein soll? Sicher. Meine Reisetasche muss noch ein wenig halten, und Lebkuchenherzen verschicke ich nur in Gedanken - aber ich vergesse sie nicht. Alles ist, wie es sein soll ...

Mittwoch, September 21, 2005

Übermorgen


Striegls Album wächst und wächst, während die Ideen für mein eigenes sich noch immer eine zeitlang mit einem Platz auf dem Diktiergerät zufrieden geben müssen. Nun, so rein timingmässig geht das völlig in Ordnung, lebe ich doch derzeit ohne Frage nicht gerade in einem Envoirement, das mir einen kreativen Eisprung nach dem nächsten beschert. Zwischen disaströsen Bundestagswahlen und amerikanischen Evakuierungs-Marathons lebt es sich aus einer Reisetasche nicht gerade komfortabel, but anyway... Dabei stelle ich mir gerade die Frage, warum all diese Hurrikans, die derzeit der Reihe nach den Süden der USA besuchen und sich als eine uferlose Prüfung der republikanischen Staatsführung entpuppen, eigentlich immer solch süsse Frauennamen wie "Katrina" oder "Rita" tragen. Natürlich, das hat nen meteorologischen Hintergrund..., schon klar. Und doch treibt´s mir ein wenig die Furcht in die Adern. Seh´ ich da vielleicht irgend welche Zusammenhänge ob meiner Beziehungen?! Um diese düsteren Gedanken nicht noch weiter zu vertiefen, unterziehe ich die Espresso-Maschine einem erneuten Funktionstest und stell meine Neigung zu schwer nachvollziehbaren Zusammenhängen mal hinten an, fürs erste.
Nun, der Sommer neigt sich unübersehbar dem Ende entgegen, und rückblickend komme ich zu einem klaren Ergebnis. In Sachen Geduld und Timing parke ich noch immer auf dem Randstreifen, mein Verleger entpuppte sich als ohnmächtig und wenig innovativ, und meine Prognosen bezüglich dieses Jahres haben sich ausnahmslos als richtig erwiesen. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Das Jahr geht straight ins letzte Quartal, und es können noch so einige "Ritas" oder "Katrinas" übers Land fegen. Aber ich fühle mich mittlerweile genügend katastrophenerprobt und bin zuversichtlich. An meinem Frühwarnsystem werde ich noch arbeiten müssen, vielleicht ein Leben lang, wer weiss das schon...
Laith singt mir in diesem Moment die Schlusszeile des heutigen Ausflugs über die Laptopspeaker. Ich nicke, dreh mir ne Halfzware, und lächle dem morgen entgegen.

"Ich fang schon an zu zählen, heute ist der erste Tag danach - der erste ist der schlimmste,, - wie ich Übermorgen mag !" (Laith Al-Deen, "Nie mehr" aus "Ich will nur wissen")

Der Herbst kann kommen ...

Freitag, September 09, 2005

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Ich drücke die Halfzware in den Aschenbecher und brau mir erneut nen Espresso. Ein mitleidiges Lächeln als Gruß an meinen Magen, zu mehr bin ich kaum in der Lage an diesem Tag. Ein Tag, der dir beim ersten Augenaufschlag schon ins Gesicht grinst:" Bleib einfach liegen, alter. Das heute wird echt scheisse!" Anyway - ich spüle mir den Rest der Nacht mit dem heiss-braunen Gebräu aus dem Mund und nehme, was kommt. Auf dem Tisch stapeln sich Mahnungen, und ich komplettiere meine allmorgendlichen Auftritt mit einem Kopfschütteln. Gerade will ich ins Bad, um wenigstens den äußerlichen Verfall abzuwenden, da klingelt das Telefon:
„Guten Tag, spreche ich mit Herrn A...?“ säuselt mir eine geschulte Stimme entgegen, die in mir sofort dieses Unbehagen hervorruft, das man hat, wenn man mit ner wirklich miesen Durchfallerkrankung in nem vollen Zugabteil Platz nehmen muss.. Call-Center-Alarm!!!!
“Ja,..” breche ich heraus, und noch ehe sie eine Chance hat, mich mit ihren Verkaufsplatitüden zuzutexten, jodele ich: “...,danke, ich habe KEIN Interesse", und lege auf.
Es gibt wohl kaum etwas, was mich zwischen all den Realitysoaps, SMS Werbetrailern und Schmalspur-TV-Shows mehr abturnt als diese Hühner aus den Großraumbüro-Lege-Batterien, die dir am Telefon deine Zeit stehlen und versuchen, dir binnen zwölfeinhalb Sekunden einen vermeintlichen Lottogewinn aufs Auge zu drücken. Natürlich nur, wenn sie noch Zeit haben, das Kleingedruckte zu stottern, damit du ein beschissenes Los kaufst. Auch wenn Mrs. Headset gerade nur ihren zweifelhaften Job macht, der ihr ohne Frage gegönnt sei in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit - Verständnislosigkeit auf voller Bandbreite meinerseits, sorry.

Nachdem ich kurze Zeit später den allmorgendlichen Sanitäraufenthalt inclusive Nassrasur unfallfrei hinter mich gebracht habe, klingelt es erneut auf meinem mobilen Begleiter, und ich zucke zusammen. "Life sucks..., " murmele ich vor mich hin und schaue aufs Display. Chris´Nummer wird angezeigt. Wahrscheinlich gibts noch immer Probleme mit der Konvertierung seiner ganzen Takes. Morgen wollen wir für ein paar Tage nach Hamburg, um seine LP zu mischen, vorausgesetzt, sein kleiner Windows-Freund macht uns da keinen Strich durch die Rechnung ( ich liebe meinen Mac !!! )
„Also, ich hab das jetzt soweit am Start, ... mit der ersten Session...“ –
MIT DER ERSTEN SESSION !?! Die erste von zwölf. Wenn das in dem Tempo weiter geht, sollten wir ernsthaft darüber nachdenken, ob wir in 24 Stunden nach Hamburg fahren. Das Studio ist gebucht, und wir haben vier Tage. Ganze vier Tage für zwölf Nummern.
„Pass auf,“ unterbreche ich ihn, „ wenn alle Stricke reißen, nehmen wir eben deinen gottverdammten Rechner mit nach Hamburg. Irgend einer von den Jungs da wird dieses preisverdächtige Programm schon kennen.“
„Du, das hatte ich sowieso vor,...w-e-e-iill ..i-c-hkk-k-f—s-o--..noch...kkk.-e-iii- b—o-ck-...... --------„
„Hallo? Haaallo...“ gähne ich ins Mobilteil, und schaue auf die Empfangsanzeige. Voller Ausschlag. Den krieg ich gleich auch, aber in meinen Kniekehlen. Sozusagen nen neurodermitischen Overkill.
Selbst in seiner Wohnung mitten in Köln hat Chris mit diesem Scheißteil keinen Empfang.
In solchen Momenten male ich mir aus, wie ich gemeinsam mit einem dieser „IchbinderpersonifizierteNewEconomyErfolg-Typen" auf irgend einer Party an der Sektbar stehe, und man sich nach einem coolen „Hi“ und wenigen Floskeln darüber austauscht, was man denn so macht, beruflich. „Ich bin Musiker,“ würde es mir leicht über die Lippen gehen, „und du?“
„Ich bin Entwickler für diese kleinen Verstärkerteile, die in den Handys......“ – Spätestens jetzt hätte er meine Faust in seinem Gesicht. Dabei kann der ärmste doch eigentlich gar nichts dafür. Meine eigene Schuld, wenn ich mich auf so etwas wie vermeintliche Dauererreichbarkeit einlasse, oder ?! Irgendwann, wenn ich angekommen bin, werde ich mein beschissenes Handy ins Meer pfeffern. Dann gibts unter dieser Nummer einfach keinen Anschluss mehr.

Montag, September 05, 2005

Einsichten


Zurückblickend zeigt sich alles glasklar. Das Puzzle des erneut verlorenen und immer wiederkehrenden Spiels setzt sich in langen Nächten und pausenlos sich selbst beantwortenden Fragen fast mühelos zusammen – doch ständig begleitet von der vermeintlichen Einsicht, an Dummheit und Unzulänglichkeit nahezu unschlagbar zu sein, nicht wahr ...?!
Das Wissen darum ändert aber leider nichts an dem Verbleib der Enttäuschung; Enttäuschung über die Missgeschicke und das scheinbare Unverständnis des anderen, die aber unaufhaltbar, früher oder später, in der Enttäuschung über das eigene Selbst ihr Ziel findet.
Oftmals wird all das begleitet von Neid – Neid auf diejenigen, die scheinbar unaufhörlich aus der Quelle des Glücks trinken und in Sorglosigkeit baden. Wir wissen selbstverständlich, dass auch dieser Gedanke nichts reales hat – und dennoch sprechen wir uns nicht wirklich davon los. Es bleibt der immer währende Wunsch nach Glück – und dabei liegt es immerzu in unseren eigenen Händen, niemals in den Händen des anderen!

„Mit Unliebem vereint sein, ist Leiden.
Von Liebem getrennt zu sein, ist Leiden.
Nicht erlangen, was man begehrt, ist Leiden.“
Auch wenn es sich anhört, als könne man nur wunschlos glücklich sein, so gibt es da eben diesen einen Unterschied: den zwischen Wünschen und Begehren. Gier ist etwas völlig anderes als ein Wunsch.
Wer gierig ist glaubt, etwas haben zu müssen – wer sich hingegen etwas wünscht, der möchte gerne etwas haben, ohne es erlangen zu müssen. Wer wünscht, der ist sich bewusst, dass es auch anders geht. (Buddah)

Montag, August 22, 2005

Klingelingeling

MTV Geschäftsführerin Catherine Mühlemann verfügt nicht nur über ein bezauberndes Lächeln, sondern offensichtlich auch über das, was derzeit wohl schwieriger zu finden ist als steinzeitliche Utensilien geologischer Ausgrabungen: die Einsicht nämlich, dass dauerhafter Erfolg primär abhängig ist von Qualität, Kundentreue und Geschmack. "Zielgruppenorientierung" ist zwar ein schönes Wort und lässt das oft inhaltslose und nicht nachvollziehbare Geschwätz so mancher Pseudogeschäftsleute in etwas hellerem Licht erscheinen, aber was es wirklich bedeutet, weiss vermutlich keiner.
Wenn damit gemeint ist, dass man um jeden Preis versucht, gleichermaßen unmündigen wie orientierungslosen Jugendlichen das ach so üppige Taschengeld aus den unförmigen Jeans zu ziehen, dann hoffe ich, dass es irgendwann eine entsprechende Erweiterung im Jugenschutzgesetz diesbezüglich geben wird. Siebenstellige Jahresgehälter in der Telekom-Chefetage, ein vererbtes Monopol der ehemals staatlichen Post, und nicht zuletzt jährliche Umsätze in Milliardenhöhe der gesamten Telekommunikationsindustrie zwingen zu mehr Verantwortung; Verantwortung gegenüber unseren Kindern. So wie auch die Musikindustrie ein Stück weit die Verantwortung dafür trägt, womit sich die Kids identifizieren, was sie hinterfragen oder aber vorgekaut und schwer verdaulich einfach schlucken - müssen.

Da gröhlt ein geschmacklos animierter Frosch gemeinsam mit einem sturztrunkenen Elch einige Zeilen zusammengeflickter Schunkelweisen, oder aber man kriegt den "neusten Hit" als GeneralMidi-Sound in acht taktiger Dauerschleife schmackhaft gemacht, damit´s beim nächsten Klingeln auch so richtig schön weh tut. Und das alles fast umsonst - denn man braucht ja nur mal schnell ne SMS an die eingeblendete Nummer zu senden, während das Gejammer und Gewimmer der ästhetisch fragwürdigen Kuscheltierchen mit über hundert dezibel aus den TV-Lautsprechern brüllt. Und es sei erwähnt, dass dieser Medienterror derweil 24 Stunden täglich und in zehnminütigen Abständen ausgestrahlt wird. Dass diese"ichkaufmichcool-SMS" je nach Prepaid Card aber richtig Kohle kostet, und zeitgleich per Bestätigung Aboverträge mit Kindern und Jugendlichen UNTER 18 Jahren abgeschlossen werden, interessiert da nur peripher. Ein hoch auf die Vorzeigerunternehmen aus der Telekom-Branche - und nicht zuletzt auf die Musikindustrie.
Es ist machmal ne echt schwere Entscheidung, ob man angesichts solcher Tatsachen entweder resigniert auf sein Erbrochenes schauen, oder sich statt dessen lieber einer radikalen Untergrundbewegung anschliessen möchte. Eines ist sicher: ich kann nicht annähernd so viel essen, wie ich manchmal kotzen möchte.

Anyway - MTV machts nun also vor, und will den Jamba-Müll ab Oktober zwischen 16.00 und 24.00 Uhr vom Sender nehmen, da man sich, wie im Spiegel zu lesen war, der negativen Auswirkungen auf das Senderimage bewusst geworden sei.
Bleibt zu hoffen, dass die Musiksender nicht nur unnötig Sauerstoff verbrauchen bei der Verlautbarung solch eingreifender Maßnahmen, sondern tatsächlich dahinter gestiegen sind, dass der Titel "Music Tele Vision" eigentlich durch das seine Berechtigung findet, was der gemeine Betrachter dort vorzufinden glaubt: Die Welt der Musik!. Zuweilen fristet der Videoclip eines Acts jedoch eher das driste Dasein eines Werbespots für Zahnpasta, den man alle fünfzehn Minuten mal einfügt zwischen all den Ringtone-Abfällen. Hoffentlich behalten sie ihren Job nach dieser Pressemeldung, liebe Frau Mühlemann. Meine Stimme haben sie !

Samstag, August 20, 2005

Das Kalb und seine Metzger

Derzeit dürfte wohl neben dem Papstwahn abertausender, katholischer Jugendlicher noch immer die in Zahl kaum zu übertreffenden Wahlredenausrutscher des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber Topthema sein. Doch wen wunderts noch wirklich? Hat er sein Gesicht ausserhalb des katholischen Südens doch bereits bei der letzten Wahlstaffel vor drei Jahren verloren, nachdem er die damals hochgehandelte Kanzlerkandidätin aus dem Osten mal eben schön schmierig ins Abseits gelächelt hat. Und nun, da sie unumstösslich die Kandidatin der christlich-demokratischen Politjunkies ist, versucht er es offensichtlich auf die ganze miese Tour. Ob er seiner Schwesterpartei damit wirklich zum Sieg verhelfen wird, ist nicht nur fraglich, sondern stösst in eben diesen schwesterlichen Reihen derweil ausnahmslos auf Empörung. Vor allem jedoch scheint er einem ohnehin schon angeschlagenen Volk unmissverständlich klarmachen zu wollen, dass hier "nichts zusammenwächst, was zusammen gehört". Die Frage ist: kümmerts wirklich jemanden?

Ganz gleich, ob Bayerns Oberhäuptling nun einfach einen verbalakrobatischen Foupas gelandet hat, oder er (wie mir manchmal scheint) tatsächlich den ein oder anderen Unfug glaubt, den er da ablässt. Die Ärsche, die es zu lecken gibt, werden weniger und weniger. Dessen ist er sich ganz offensichtlich nicht wirklich bewusst. Und wer weiß, vielleicht steht er dann am Ende gar auf dem selbst entworfenen Schlachthof und schaut in die Augen seiner ebenso selbst gewählten und geifernden Metzger, die sehnsüchtig darauf warten, ihrem Handwerk nach zu gehen.

Anyway - während wir uns über solche Dinge den Kopf zerbrechen und hier und da auch das Maul verbrennen ( gut so! long live Rock´n Roll! ), bleibt es eine unumstössliche Tatsache, dass mindestens fünzig Prozent der hiesigen Wähler nicht einmal wissen, wer Stoiber überhaupt ist, und sicherlich ebenso viele Bundesbürger mit Wahlberechtigung für astronomische Einschaltquoten in der Jauchegrube der privatisierten TV-Landschaft sorgen. Und in eben diesen Kläranlangen des guten Geschmacks liegt der grösste Teil des Übels, eingebettet zwischen Courtshow, Superquiz und Reportagen, die keine sind.

Am besten wäre es, es würde überhaupt nicht gewählt, sondern bei Aldi, Lidl und Co. gäbs einfach ab kommenden Dienstag
ein bestimmtes Kontingent an Bundestag-Mitglied-Tickets. Dann könnte jeder, der rechtzeitig in der morgendlichen Schlange vor dem Eingang Position bezieht, solange mitregieren, bis wieder die nächsten Tickets verfügbar sind
und gewechselt wird. Der meisbietende Privatsender würde das ganze Spektakel natürlich live und exklusiv übertragen, und per 0190er Nummer darf man dann abstimmen, wer wann wie aus dem Haus fliegt. Na, das wär doch mal ein Spass!
Genau das Richtige für eine Spassgesellschaft wie die unsere.