Donnerstag, Juni 25, 2009

King of Pop


Es gibt eine Menge Künstler die eine Menge Leben beeinflusst haben, aber nur wenige haben eine ganze Generation bewegt. Michael Jackson war nicht nur einer dieser wenigen, er war in so ziemlich jeder Faser seines Lebens ein Unikat. Sein Musikvideo "Thriller" revolutionierte die Welt der Musikvideos, seine Bühnenshows waren atemberaubend, und keiner produzierte je solch ausgezeichnete Alben. Es würde die heutige Popkultur schlicht weg nicht geben ohne MJ.
Kontrovers sein Leben und seine Taten. Doch kennt man seine Geschichte, verwundert einen jegliche Extravaganz nicht mehr wirklich.
Doch was wissen wir schon, die wir ihn nie wirklich trafen, ihn nicht wirklich kannten? Wir werden gefüttert mit Breaking News, und mein Respekt für den Berufsstand des Journalisten hat extrem gelitten seit ich in den USA lebe.

Also erinnere ich mich seiner künstlerischen Taten statt seiner aussergewöhnlichen Lebensart. Und eben diese waren es, die mich nächtelang hinter der Konsole meines Studios haben sitzen lassen, um meine Ohren zu schulen und meine Produktionsfertigkeit zu perfektionieren.
Nun gibt es ihn nicht mehr.
Ein trauriger Tag für die Welt, die Musik und die Popkultur.

Freitag, Januar 30, 2009

Viel passiert ...




...seit dem Earthday; - und meinem letzten Eintrag hier im Blog. Derzeit schreiben wir bereits das Jahr 2009, und die Welt erlebt eine Krise nach der anderen, - was nicht wirklich überrascht, hat man denn in den vergangenen Jahren hier und da mal hinein gehört in die ein oder anderen Diskussion...!

Die Vereinigten Staaten von Amerika können auf einen historischen Moment zurückblicken, den 04. November; der Tag, an dem Martin Luther King´s Traum wahr wurde, und die Mehrheit der USA ihren ersten African-American zum Presidenten wählte.
Mittlerweile im Amt, schaut eine ganze Nation, gar die ganze Welt, auf einen jungen, dynamischen und aussergewöhnlich idealistischen Mann aus Hawaii, und niemand würde mit ihm tauschen wollen, hinterließ sein Vorgänger doch nichts als Scherben.

Die Wallstreet brach einfach mal so zusammen, "über Nacht"..... wie so manchem Glauben gemacht werden sollte, und helfende Regierungen schmissen die Milliarden nur so um sich - Hilfspakete an all die Banken, deren Schuld an dem Desaster man mediengerecht aufbereitet der Masse zum Frühstücks-TV servierte.

Während die bayerische CSU erstmals im Landtag die Mehrheit verliert (seit ....ähm... wie viel hundert Jahren ??), fallen die Russen im Kaukasus ein, und
die Olympiade in China wird zu einem weltweiten Aufschrei für ein freies Tibet.

Nun, Tibet ist noch immer nicht frei, und ide Olympiade fand statt; einfach so. Nach wie vor bauen chinesische Frauen in grossen Fabriken unsere kleinen, süssen iPods zusammen, und Steve Jobs, so sagte man mir, sehe todkrank aus.

Alles in allem ein ganz normales Jahr des ewig wachsenden Wahnsinns, wenngleich die globale Erderwärmung plötzlich ein "ernstzunehmendes Thema" ist ; jetzt, 25 Jahre nach dem man davor warnte ..... !
Ach, das sind doch nur kleine zu vernachlässigende Reaktionsverzögerungen der "intelligentesten" aller Spezies,..
macht nix, dafür haben wir ja dann nen Earthday .... in 2009.

Und hier noch eine kleine Link Empfehlung (einfach auf PLAY drücken, zurücklehnen, und sich das Filmchen bis zu Ende ansehen! Viel Spass!)

http://www.storyofstuff.com

Dienstag, April 22, 2008

Earth Day


Es ist der 22.April 2008, ein besonderer Tag ..? Nein, ein gewöhnlicher Dienstag, sollte man meinen. Ein Blick aus dem Fenster des Cafe´s bestätigt den Eindruck: Trucks fahren entlang der H1 Richtung Waikiki, und nicht weniger Rental Cars tun es ihnen gleich, in entgegen gesetzter Richtung, in den Osten der Insel. Die Parkplätze vor dem Coffee Bean & Tea Leaf sind nahezu alle besetzt, so wie mit Sicherheit jeder Parkplatz in Honolulu morgens um 10.55 Uhr.
Auf Oahu gibt es derzeit mehr Fahrzeuge als Menschen, und nur die wenigsten dieser Fahrzeuge sind "Kleinwagen". V8 Pickups, SUV´s mit unzähligen Pferdestärken, und 25 Liter/100km kann man hier als Standard bezeichnen.
Es ist Earth Day, und auf den Inseln von Hawaii präsentiert sich dieser in gewohnter Schönheit. Viel Sonne, türkis blaues Wasser an vielen Küstenstreifen, auffrischende Trade Winds, die die Sommer hier erträglich... und Hawaii zum Surferparadies Nummer eins machen.

Niemand spricht laut darüber, dass an den Stränden von Waikiki mittlerweile kein Fisch mehr zu Hause ist. Mülltrennung ist hier in den Kinderschuhen, und nur in besseren Wohngegenden Teil des Entsorgungsprogramms. Ansonsten kippen hunderte von McDonalds, Zippys, KFC´s, Burger Kings, Taco Bells und wie sie alle heissen ihren gesamten Mix aus Kunststoff, Aluminium, Blech, Pappe und Bioresten schön in ihre Container, die dann täglich geleert werden. Ganz zu schweigen von all den Einkauf-Malls, Hotels und Restaurants hier auf Oahu.
Na, jedenfalls ist das riesen Loch, in dem man alles schön verbuddelt hat in den letzten Jahren, voll, und die Verbrennung von all dem Dreck zwecks Energiegewinnung ist ja nur ein Teil des Ignoranzprogramms. Welcome to Hawaii.

Es ist Earth Day, und einer der Initiatoren ist gewiss kein anderer als Jack Johnson, Surfer, Musiker, Aktivist und auf den Inseln hier zu Hause. Nun, vielleicht schliesst sich ja so der Kreis, hier, auf Hawaii. Und während die amerikansiche Konjunktur weiter den"irakischen Kriegs-Bach" runtergeht, gedenkt man weltweit Mutter Erde, ruft zum Handeln auf gegen das Sterben unseres kostbarsten Geschenks. Ob die Chinesen das auch so sehen .....? Na, da darf gezweifelt werden.

In diesem Sinne - macht einfach jeden Tag zum Earth Day, jeder für sich, ein kleines Stück. Das würde schon ne ganze Menge bewegen. Denn wie heisst es so schön: Hoffnung ist das letzte, das stirbt...!

Happy Earthday

Montag, März 24, 2008

"Wie minge Drache fleeje..."




...was soviel heisst wie "Wie mein Drachen fliegen ..." und ist der Titel eins Bläck Föös Songs aus den achtzigern. Wahrscheinlich nur eingefleischten Bläck Föös Fans ein Begriff. Wie auch immer .....
Ich weiss nicht, warum ich gerade an diesen Song dachte, als ich heute Morgen auf dem Weg zum Coffee Bean & Tea Leaf Shop den jungen Vater mit seinem Sohnemann sah, und sie einen wunderschönen Drachen steigen liessen. Hier auf Hawaii mit nahezu täglicher Windgarantie eine wirklich schöne Sache. Und der Mini - er war vielleicht drei oder gerade mal vier - hatte sichtlichen Spass an der Windspielerei. Ich erinnere mich gut, wie oft meine Tochter und ich das geplant und auch des öfteren versucht haben. Die letzte Drachen-Session scheiterte kläglich an einer abhanden gekommenen Querstrebe, die zu ersetzten nicht möglich war.... mitten auf dem Feld im nichts. Aber es gab Wind.... an einem kalten Frühlingstag auf den Feldern, weit weg von hier.

Das ist nun auch schon wieder einige Jahre her. Ich bleibe also stehen, John Mayer auf den Ohrstöpseln meines iPods, und schaue dem Drachen nach. Am Ende der Leine die grossen Augen des kleinen Mannes...
Die Zeit, sie fliegt... und ich denke: manchmal fehlt mir der richtige Wind, selbst hier,...

Donnerstag, Dezember 13, 2007

Kalendertürchen




Schon wieder ist Dezember. Die Aussentemperatur beträgt in etwa 81°F, bewölkt bis sonnig, Wind von Süd-Ost. Und selbst wenn noch so viele Lichter die Häuser und Palmen schmücken, und die Radiostationen hier vierundzwanzig Stunden lang Christmassongs durch den Äther jagen (ohne Commercial-Breaks!!) - mein Weihnachtsgefühl will sich einfach nicht einstellen, hier in der Mitte des pazifischen Ozeans.
Ich vermisse das kalte Nass, das Eiskratzen am Morgen und die frühen Abende in Cafés. Den Schnee, wenn er denn kommt. Glühwein auf den Weihnachtsmärkten..... Ja, all das ist Weihnachten für mich.

War ich doch ein ausgesprochener Weihnachtsfreak, wenn man dem Kind denn einen Namen geben will. Das ging zuweilen sogar soweit, dass mein ITT Cassettenrekorder (selbstredend in Mono - wir sprechen hier gerade über die siebziger Jahre) die hauseigene Weihnachtslieder-Sammlung bereits Ende Oktober zum Besten gab. Mein Vater schüttelte nur verständnislos den Kopf, während meine Mutter ernsthaft in Erwägung zog, mit mir zum Arzt zu gehen...
Meinen Bruder überzeugte ich so oft es mir möglich war, sich meinen Bastelattacken anzuschliessen.
Nicht zuletzt gründete ich, wenn man es genau nehmen will, meine erste Band mit weihnachtlicher Intension. Nun gut, wir waren ein Trio, zogen durch die kalten Strassen des Ortes am Abend vor Weihnachten und gaben unser hart erprobtes zu Gehör. Drei Jahre später waren wir schon zu zehnt.

All das ging über die Jahre Stück für Stück verloren, überdeckt vom Medienwahnsinn, verschlungen vom älter werden und überholt von der Offensichtlichkeit, dass Romantik keinen wirklichen Platz mehr hat in unserer hektischen Zeit.

Heute jedoch ist mir all das so nah wie nie, begleitet von einer seltsamen Sehnsucht und vielleicht sogar ein wenig Heimweh. Und es scheint, als brauche man die Jahre der Abstinenz und Gleichgültigkeit, um dann schlussendlich wieder das zu empfinden, was Weihnachten immer so einzigartig und aussergewöhnlich machte.
So öffne ich dann mein dreizehntes Kalendertürchen mit Bedacht, auch wenn ich den Schokoladen-Adventskalender anschliessend wieder in den Kühlschrank legen muss.... hier, in Honolulu.

Ich wünsche allen ein wunderbares Weihnachtsfest!

Mittwoch, Oktober 10, 2007

Kealakekua Bay


"Die Stadt, ich hab sie ja so satt", sang einst Herman van Veen, und wenn man einige Zeit in Honolulu verweilt, dann weiss man, was Herman zu sagen versucht. Dem Wahnsinn entkommen ist hier kaum möglich. Oder doch?
Als wir in der Maschine nach Kailua-Kona sitzen, habe ich noch keine Ahnung, was mich erwartet.
Ich weiss, dass das Haus in der Bucht unglaublich schön gelegen ist, und dass der Vulkan nicht mehr als zwei Autostunden entfernt vor sich hin brodelt.
Als wir dann ankommen, kann ich es kaum glauben...
Dieser einzigartige Platz ist um längen schöner als jeder Sandstrand auf Oahu, und die Energie dieser Insel packt dich augenblicklich.
Nach der wohl stillsten Nacht meines Lebens machen wir uns auf zu Uncle Anson und Auntie Ann, die zwei Stunden entfernt am Fusse des Vulkans irgendwo im Nirgendwo leben. Sun schlägt auf der Rücktour vor, am Crater Halt zu machen - und uns verschlägt es den Atem. Man kann Mutter Erde nicht näher sein als hier. Und wieder eine Nacht - in der Stille. Einzig die Brandung

Es gibt Momente im Leben, die bewegen uns so sehr, dass es kaum mehr möglich ist, sie zu teilen. Seit ich nunmehr vor einem Jahr hier auf den Inseln gelandet bin, habe ich so manchen Augenblick genossen, und ebenso verzweifelt versucht, hier und da Missstände nicht kommentarlos beiseite zu schieben; hab geweint und gelacht, aus dem Vollen geschöpft und ins Leere gegriffen - das ganz normale Leben eben.

Aber in dem Augenblick, da ich schnorchelnd in der Bucht trieb, umringt von ungefähr zehn bis fünfzehn Tieren, und ich den Atem am liebsten für immer angehalten hätte um länger mit ihnen abzutauchen, da wurde mir nochmals bewusst, dass einige Dinge im Leben einfach keiner Erklärung bedürfen. Die Delphine konnten ihre Neugier kaum zügeln, und wir nur schwerlich unsere Begeisterung und Rührung.... an diesem Morgen um 7.00 a.m. in der Bucht von Kealakekua Bay.

Mittwoch, August 08, 2007

Stummer König


Ein trauriger Tag, dieser 07. August 207, nicht nur für den Zoo von Honolulu, sondern für die ganze Insel Oahu.
Fast 22 Jahre sind ein stattliches Alter für einen männlichen Löwen, doch alterschwache Nieren und ernste Arthritis Probleme liessen die Verantwortlichen des Zoos eine humane und doch schwere Entscheidung treffen. Apollo, so der Name des 1985 in Canada geborenen Löwen, wurde am Morgen eingeschläfert. Er residierte seit 1986 im Zoo von Honolulu, und hinterlässt seine beiden Damen Ethel Lousie und Samantha, ebenfalls bereits 21.

Ein schwerer Abschied, auch für die angrenzende Nachbarschaft in Waikiki. Apollos Brüllen war jeden Morgen und Abend zu hören, und ohne Frage ein Teil des Kapiolani Park und der Kapahulu Avenue.
Ich erinnere mich gut, als ich vor einem Jahr in Hawaii ankam. Wir bewohnten ein Penthouse im Waikiki Grand, genau gegenüber des Zoo. Kein Abend und kein Morgen, an dem Apollo nicht zu hören war. Ich stand des öfteren auf der Dachterrasse, blickte hinunter in den Zoo, und obgleich ich ihn nicht sehen konnte, wusste ich doch immer, dass er da war. Ich lächelte, wissend, dass er immer der König sein wird- selbst als einer, der in einem Zoo zu Welt kam und die afrikanische Steppe niemals gesehen hat.

Die Insel wird ihn vermissen - neben den trauernden Pflegern wohl am meisten seine beiden Damen.

Mittwoch, August 01, 2007

Sorge dich nicht ...



"...lebe!"- so lautet der Titel eines Kassenschlagers der Endachtziger, und das ist im Grunde ja eine wirklich zu empfehlende Philosophie, wie ich meine. Aber mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass nur die vollends balancierten und im Zentrum ihres seins stehenden nahezu sorglos sein können, so ist es sicher ganz hilfreich hier und da, sich ein paar Sorgen zu machen. Denn schlussendlich führt nur das dazu, dass man Dinge angeht, Missstände aufdeckt und ein klein wenig die Welt verändert.
Hier, in der Mitte des pazifischen Ozeans, zeigt sich ganz deutlich, dass zu viel Sorglosigkeit unter Umständen schmerzliche Folgen haben kann - selbstverständlich für die kommenden Generation.
Als ich vor nunmehr fast einem Jahr hier auf Oahu ankam, da suchte ich in den ersten Tagen eines vergeblich im Paradies: ´ne Recycling Mülltonne. V8 Motoren und Pickup´s so gross wie europäische Lastkraftwagen schlängeln sich ihren Weg über die H1, sechsspurig zum Teil. Von fliessendem Verkehr kann keine Rede sein.
Oh ja, ich mache mir Sorgen. Um die am Strand schlafenden Kinder, weil ihre Eltern trotz nennenswertem Jahreseinkommen die Mieten nicht mehr bezahlen können. Ich mache mir Sorgen um den Müll, den man Jahr ein Jahr aus im Nordwesten der Insel verbuddelt hat, bis nix mehr ging. Ja, ein wenig sorge ich mich, wenn japanische Grossinvestoren, die ihr Geld hier jahrzehntelang in Immobilien gesteckt haben, einfach das Weite suchen, und jede zweite Villa Wind und Wetter überlassen wird - während öffentliche Schulen und Kindergärten finanziell ausser Stande sind, ein Dach zu reparieren.
Wohin all die Milliarden an Steuergeldern in Hawaii fliessen, weiss keiner so wirklich - jedenfalls nicht ins Gesundheits - und Sozialsystem, in Strassen, Umweltschutz oder Schulen.
Tja, manchmal sorge ich mich eben ein wenig... wenngleich ich lebe - und derzeit an einem der schönsten und aussergewöhnlichsten Orte auf diesem Planeten.

Montag, Juli 09, 2007

S.O.S


Nun sind wir also angekommen: letzter Halt-Climate Crisis. Selbst den Vereinigten Staaten gehen die Argumente aus, weiterhin so zu tun, als wäre das alles nur ein schlechtes Szenario der Hollywood Industrie. Nope. Willkommen in der Realität.
Ob uns tatsächlich 10 Jahre bleiben, durch all die favorisierten Massnahmen dem Klimawandel Herr zu werden, bezweifle sicher nicht nur ich. Im Klartext heisst das nämlich: Auto stehen lassen, Sparbirnen in die Fassung, Heizung runter und nicht zuletzt Feierabend mit Pfennigmarkt-Einkäufen (das grösste Übel, das der Kapitalismus je hervorgebracht hat).
Den "Run" auf die klimafreundlich hergestellten Produkte will ich erstmal sehen. Klinge ich etwa pessimistisch? Nein - das will ich ganz und gar nicht. Ich praktizier all das Umwelt-Gedöne schon seit mehr als 20 Jahren, von Pessimismus keine Spur. Ich trenne noch immer meinen Müll, (wenn es auch hier in Honolulu derzeit eine wirkliche Herausforderung ist....), und sammle Plastik auf. Mein Wasserhahn läuft nicht unentwegt beim Zähne putzen, und selbst unterwegs läuft die Dusche irgend eines Hotels nicht unsinniger weise. Man könnte es Idealismus nennen...
Ich hoffe einfach, dass die Power dieses 07.07.2007 noch ein wenig länger anhält, und sich die durch Petitionen angesprochenen Nationen wirklich darauf einlassen, ihren Eitelkeiten und industriellen Druckmachern einmal nicht nachzugeben und etwas zur Rettung dieses Planeten zu tun.
Und es macht mich ein bisschen stolz, dass es wieder einmal die Musiker waren, die sich bereit erklärten, in weltweiter Einigkeit dafür einzustehen: für etwas, das uns alle betrifft.

Dienstag, Dezember 26, 2006

Mele Kalikimaka


"Nun sind sie vorbei, die festlichen Tage..."
So in etwa begann der Blog-Eintrag zum letzten Weihnachtsfest. 365 Tage später und um einen Geburtstag reicher tippe ich ein paar Thoughts ins treue und noch immer stabil laufende Laptop - doch sitze ich hier am anderen Ende der Welt, in einem anderen Leben und unter einem wirklich differenten Sternenhimmel.
Und auch hier, in der Mitte des Pazifik, macht man sich so seine Gedanken über das Gewesene, das Kommende und nicht zuletzt über Sinn und Unsinn unseres konsumgesteuerten Wahns. Und während auf der einen Seite der Insel die Sonne untergeht und Strände in traumhafte Farben tränkt, kämpfen auf der anderen Seite die Wolken über den vulkanischen Gipfeln ihren abendlichen Kampf, so dass man den Regen schon sehen kann.

An einem Platz wie diesem, wo kein Tag dem anderen gleicht und Mutter Erde jeden Tag aufs neue zeigt, wie unsagbar schön sie ist,... an eben diesem Platz schmerzt einen jeder Schritt in Richtung Gleichgültigkeit und Ungleichheit mehr als anderswo - vermutlich. Und das Fest wird zu einem wirklich Besinnlichen.

Wenngleich der Schnee fehlt, die Kälte, der Glühwein,... und nicht zuletzt die Augen meiner Tochter - Lichterglanz und Kinderaugen gibts auch hier, und nirgendwo sonst sah ich soviel Bereitschaft, andere teilhaben zu lassen am eigenen Glück.
Vielleicht etwas, was ich erneut gelernt habe: Manchmal gehts halt nicht "ganz" - aber es muss dann nicht immer gleich "gar nichts" sein ...!

Mele Kalikimaka

Montag, Mai 29, 2006

Ein Stück Musik


"Alle Worte die ich sage sind nur Blindtext,
und ich warte, dass irgendwer was einsetzt..."
(Tom Albrecht; "Fern von Hier")

Da entdecke ich beim stöbern und recherchieren einen nicht mehr ganz neuen Artist in den Fluten des "WeltWeitenWahnsinns" und stelle mir erneut die Frage, was die deutsche Musikindustrie eigentlich noch alles an sich vorbeiziehen lässt, während irgend eine Andrea Berg ihren Unsinn in die Charts lügt und die fünfhundertachtundzwanzigste Castingshow der ohnehin schon jämmerlichen TV-Welt den Rest gibt.

Wir werden sehen.

Das Album des Herrn Striegl geht jedenfalls in die Endphase, Mischtermine stehen fest, und es wird ohne Frage ein schönes Stück Musik.
Dann kommt der Sommer, und meine Reisetasche wird erneut den Aufenthaltsort wechseln. Seltsam, wie sehr man sich an diese Heimatlosigkeit gewöhnen kann. Offensichtlich findet man die Dinge stets dort, wo man sie nicht vermutet, und eines fand ich ohne Frage wieder in den vergangenen Monaten: ein ganzes Stück Musik.

to be continued ...

Mittwoch, Mai 10, 2006

Der gute Geschmack


Ich fahre den Wagen bei satten vierundzwanzig Grad aus der Kölner Innenstadt und komme soeben von einem sehr netten wie auch informativen Treffen (neudeutsch: Meeting). Nach so manch verbalakrobatischer "wir ändern die Welt Attetúde" und unzähligen Kaffees mit den verschiedensten Collaborationsanwärtern (die man sich im Nachhinein hätte schenken können), ging es bei diesem Treffen ausnahmsweise mal um das, was eigentlich meine Passion ist: um Musik, Inhalt, Kunst und nicht zuletzt um den guten Geschmack.
Über diesen lässt sich bekanntlich streiten, dennoch ist wohl kaum noch wegzudiskutieren, dass es dieser Gesellschaft (neben so einigen anderen Wehwehchen) an eben diesem in hohem Masse mangelt.
Heute wurde ich wieder einmal davon überzeugt, dass es auch hierzulande noch Ausnahmen gibt, und empfehle jedem, sich folgenden Link zu gönnen: Khalil Gibran (Maraton). Es lohnt sich literarisch, wie auch musikalisch.

Kaum verlasse ich das Konrad-Adenauer Ufer, da sprudelt mir aus den Türlautsprechern des Wagens ein Beitrag des Südwestfunks ins Ohr, der sich kurz damit befasst, dass Untersuchungen zufolge die Geschmackssinne der heranwachsenden eine äusserst bedenkliche Rückbildung aufweisen. Durch den massigen Konsum von künstlichen Aromastoffen ist zum Beispiel die Geschmacksrichtung "Bitter" für fast alle Probanden nicht mehr wahrnehmbar gewesen. Naturbelassenes schmeckt für die Tespersonen fade oder zuweilen nach gar nichts. Und da die Auswahl der Nahrungsmittel eben danach getroffen wird, sind Gemüse und Obst für die Kandidaten einfach nicht auf der Liste, Erdbeershake und Zitroneneis hingegen ganz oben. Wie eine Erdbeere eigentlich wirklich schmeckt, war dann für die meisten eine (leider) enttäuschende Überraschung.

In der Hoffnung, dass die Dieter Bohlens der Nahrungsmittelindustrie alsbald von Seiten der Krankenkassen in die Verantwortung gezogen werden (ich armer Idealist.....), fahre ich der Mittagssonne entgegen und versuche, weiter zu atmen. Ein, ... und Aus.... und Ein .....und ....

Mittwoch, März 29, 2006

Sommerzeit

Ich überfliege den Feuilleton der "Zeit" und sage mir "zeitgleich", dass ich eigentlich gar keine habe - Zeit.
Noch immer amüsiert über den "Monolog des modernen Spiessers" beschliesse ich, fortan öfter meine Nase ins Geschreibe des Florian Klenk zu stecken.

Meine Agenda ist ausgefüllt, wenn auch nicht zwingend mit gewinnbringenden Aktivitäten. Aber das ist ja nichts neues. Draussen mutet es frühlingshaft an, und doch traue ich dem Gezirpe und Gezwitscher aufwachender Winterschläfer nicht wirklich. Denn erst vor wenigen Tagen noch haben meine Scheibenwischer auf der A1 Richtung Norden alles andere gewischt als Regentropfen.
Sei´s drum - ich stelle mich ein auf Latté Macchiatos im Freien, Sonnenbrille und Dreiviertel-Leinen. Nicht zuletzt baue ich auf UV-Strahlung in Massen und auf einen fulminanten Anstieg der Anzahl lächelnder Gesichter.

Also, ab in die Sommerzeit - wenn auch vorerst nur auf dem Zifferblatt unserer Armbanduhren.

Sonntag, März 05, 2006

Tautropfenwelt

Zurück in rheinischen Gefilden lächelt mir das Leben in gewohnter Manier und vertrauter Gestalt ins Gesicht und flüstert mir ins Ohr: "Na, Pläne geschmiedet? - Vergiss es !"
Also modifizieren wir in bestmöglicher Gelassenheit die Agenda 2006 und treffen ein Abkommen. Ich füge mich und geb´ mir weiterhin Mühe, fortan halb volle Gläser zu sehen statt halb leere.
Belohnt wird diese Haltung auf dem Fuss folgend in Form von Jobs und regem Interesse an meiner Arbeit.
Striegls Album nimmt Formen an, und während Tom seine laufende Nase in Papiertaschentücher steckt, meine Schwester im Pfälzischen einschneit und der Winter sich nochmals von seiner besten Seite zeigt, sitze ich über einem Drehbuch und lese mich in das Projekt.

Zwischendurch baute ich nachts in einer Hinterhof-Wohnung am Kölner Eigelstein den Bechstein der Pianistin auseinander, während um uns herum der karnevalistische Wahnsinn tobte.
Spaghetti und sonstiges besorgten wir uns kurz zuvor in den Katakomben des Hauptbahnhofs, der nur einen Steinwurf entfernt den maskierten, tanzenden und grölenden Menschenmassen standzuhalten versuchte. Lächelnd jagten wir durch das Szenario um möglichst schnell wieder von der Strasse zu kommen. In dieser Stadt herrscht während der tollen Tage absoluter Ausnahmezustand.
Einziger Vorteil: es gab ne Menge freier Parkplätze, da die meisten mit dem Zug oder in Fahrgemeinschaften anreisten.

Sie spielte, ... ich spielte ... in die Nacht!

Ansonsten bringt ein Zitat des japanischen Haiku-Dichters Issa in diesen Tagen mein Inneres wohl am besten auf den Punkt:

Tsuyo no yo wa
tsuyu no yo nagara
sari nagara

(Diese Tautropfenwelt
ist eine Tautropfenwelt,
.. und doch ...)

Dienstag, Januar 24, 2006

Nordwind


Während ich mir im Flieger ein paar Seiten von Schätzings "Der Schwarm" reinzog, kämpfte der Co-Pilot mit der Landungsroutine bei Schneefall. Mein Rücken schmerzte, und ich dachte mit Unbehagen an die noch bevorstehende Autofahrt vom Hamburger Airport nach Kiel.
Schlussendlich ging´s dann doch - und derzeit spaziere ich mir die Bandscheiben wieder gesund.

Willie Nelson duettiert mit Bonnie Raitt in "You remain", und ich schmunzle zufrieden über den Luxus, mit Laptop und iTunes immer und überall in den Genuss meiner Songsammlung zu kommen.
Noch immer habe ich nicht wirklich den Geruch der See in der Nase, und die derzeitige Wetterlage lädt nicht gerade zu stundenlangen Spaziergängen an der Küste ein. Es sei denn, man steht auf Schmerzen in Folge von Erfrierungen an Ohren und Nase. Und irgendwie macht sich Ungeduld breit.
Ich gehe ein wenig vom Gas, reize die Gastfreundschaft einer lieben Freundin weiter aus und erkläre mich mit den Nächten auf der Couch komfortabel. Vom Gästebett zur Gästecouch - von grossen Sprüngen kann hier noch nicht die Rede sein.

Also nehm ich ´n bisschen Druckluft aus meinem Erwartungsballon und lasse mir noch ein paar weitere Tage den Nordwind um die Ohren blasen. Mal schauen, ob ich nicht doch noch so´n Headphone für das neue MP3-Handy bekomme. Fotos schiessen kanns ja schon .

Dienstag, Januar 03, 2006

Unfallfrei ins Neue ?!


Eigentlich war es ein besinnliches und schönes Silvester, umgeben von Freunden und gutem Essen. Kauend und schlemmend verabschiedeten wir das alte Jahr, und nach dem der klemmende Korken der Sektflasche dann doch noch nachgab, konnten wir das neue Jahr willkommen heissen.
Einen Martini "on the rocks" und nen Whisky später haute ich mich auf die nicht wirklich harte Luftmatratze in Toms Wohnzimmer und schlief mich müde genug nach 2006. Nachholbedarf gabs allemal, da ich in der Nacht zuvor bei Schneesturm und tendenziell steigenden 30cm Weiss das neue iBook inklusive WLAN meines Bruders an den Start brachte. Da so was ja nie wirklich problemlos über die Bühne geht, wurde es eben halb fünf. Anyway.
Die Quittung für die beiden Nachtsessions folgte aber auf dem Fuss, am Montag, in Form schleichender Schmerzen im Rücken, die sich langsam aber zielsicher zu ner heftigen Entzündung entwickelten.

Nun, die Rückenabteilung war längst überfällig, sicher, und ich versuche nicht zu jammern. Das Timing passte mir aber grad gar nicht, da ich am kommenden Sonntag im Flieger sitzen wollte, und bis dahin noch eine Terminsache auf dem Klavier liegen habe. Aber "Sitzen" steht derzeit nicht im Ansatz auf meiner Agenda, schon gar nicht am Klavier - allenfalls Stehen oder Gehen ist motorisch und schmerzsensorisch unbedenklich. Folglich werde ich mich neben schmerzlindernden Massnahmen um ein neues Timing in Sachen Kompositionsabgabe kümmern, und meinen Flug am Sonntag um ne Woche verschieben. Mal sehen, ob das ohne vierzig-Euronen-teure Telefonate geht.

All denen, die auch nicht ganz unfallfrei ins neue Zweitausendundsechs geschlittert sind, hier oder anywhere else, wünsche ich von Herzen das Beste. Den anderen natürlich auch.
Das Motto jedenfalls lautet:

Wer was ändern will, sucht nach Wegen,
wer nichts ändern will, sucht nach Gründen!

Upnamoltdis

Sonntag, Dezember 25, 2005

Besinnliche Tage


Nun sind sie vorbei, die festlichen Tage. Tom entschied sich nach einer Flasche "Gutem Trockenen" kurzerhand, das Last-Minute-Angebot per Mausklick zu buchen und hockt derweil irgendwo auf Zypern, all inclusive. Während er am heiligen Abend in die Hotelbar eincheckte, sass ich bei Raclett nahe der französischen Grenze im nicht ganz kompletten Familienkreis und staunte unentwegt darüber, was man mit eigener Hände Arbeit, viel Zeit und nicht zuletzt eisernem Willen aus einem maroden Bauernhof machen kann.

Schnee gibts erst heute, und dann gleich zehn Zentimeter über Nacht. Ski und Rodel gut - selbst im wintervergessenen Rheinland. Nun, ich klage nicht wirklich, blieben mir doch durch Frau Holle´s Verspätung vierhundert Kilometer Chaos-Winter-Autobahn erspart, und ich cruiste gemütlich und vollkommen stressfrei in die südliche Pfalz und zurück.
By the way - wann behaupte ich schon mal, dass etwas stressfrei ist...?!

Also bleiben noch die restlichen Tage des Jahres. Viel zu tun gibts nicht mehr, und die Posten auf meiner Agenda 2005 sind alle abgehakt. Der Flieger ist gebucht, und ich werde versuchen, die noch verbleibenden Tage hier besinnlich zu verbringen. Restgedanken verwerten, so was in der Art.
Ich freu mich auf die Küste, und auf den Abschluss eines Jahres, das in vielerlei Hinsicht ein entscheidendes war.

Samstag, Dezember 10, 2005

Latrinen Willy


10. Dezember, es ist scheisskalt, und ich folge trotz allem der spontanen Einladung meines Bruders zum Nacht-Weihnachtsmarkt im Ahrtal-Idyll.
Durch Steffs überraschenden Besuch war ich bereits ein wenig im Delay, also hoffte ich auf freie Strassen und drückte noch mal ein wenig aufs Gas.
Als ich auf die Bundesstrasse abbog, fiel mir gleich die ankommende Schlange im Rückspiegel auf, und ich begrub meine Zuversicht in Sachen Pünktlichkeit.
Ein stinkender Unimog mit Bauwagenanhänger raste mit nahezu vierzig km/h in Richtung Norden. Und mir bleib nichts anderes, als mich auf gleicher Höhe neben ihm fahrend dafür zu entscheiden, mich unmittelbar hinter diesem schleichenden Verkehrshindernis einzureihen.
Somit belegte ich dann Platz zwei im Convoy, der sich schleppend und stinkend durch die eiskalte Nacht hustete.

Erst nach einigen Kilometern machte mein Kopf scheinbar ne Pause, und ich las die Werbeaufschrift in grossen weissen Lettern auf der Rückwand des roten (vermeintlichen) Bauwagens. "Latrinen Willy - Toiletten-und Duschwagen Verleih", gefolgt von der Handynummer des Herrn Unternehmer.
Ich tuckerte also schon seit Minuten hinter einem Scheißhaus-Wagen her, der ausser mir noch 20 weitere Nachtschwärmer ausbremste, und meine Gedanken kamen nicht umhin, das Szenario weiter zu spinnen, würde es hier zu nem Auffahrunfall kommen.

Da ich meinen zweiten Platz im Nachtzug noch immer inne hatte, wäre ich im Falle ohne Frage der Gearschte. Anyway - was auch immer sich hinter dieser Anhängerrückwand befand, ich fuhr ohne Frage auf der Pole-Position!
Als an der nächsten Ampel auch noch klar zu erkennen war, dass es an diesem Vehikel keine Bremslichter gab, konnte ich das unvermeidbare Drama schon förmlich riechen. Eine kleine Unaufmerksamkeit, ein unkonzentrierter Moment, und wohlmöglich würde mir so dann "die Scheisse bis zum Hals stehen".

Also riss ich den Blinker nach unten und startete ein gewagtes Überholmanöver, vorbei an Latrinen-Willy und seinem Mobilklo. So konnte ich meine abendliche Geburtstagsfahrt ungehindert fortsetzen, wenngleich ich noch das ein oder andere mal schmunzelnd an denjenigen denken musste, der nach mir Platz zwei belegte...

Dienstag, November 29, 2005

Fleminggatan


Ich laufe die Fleminggatan hinunter, zieh mir den Kragen der Jacke noch mal nach und rauche ne Half-zware. Die Strassen in Stockholm sind hell erleuchtet, in den Cafés herrscht reger Verkehr, und ich hänge meinen Gedanken nach. Wie schön es doch war, Richard nach all den vielen Jahren wieder zu sehen. Die Zeit war ohne Frage zu knapp, und wir hätten uns sicher noch so einige Latté Macchiatos lang Anekdoten der vergangenen achtzehn Jahre zu erzählen gehabt.
Ich vertage den Gedanken auf ein nächstes Mal, lege im selben Augenblick meinen erneuten Besuch in Stockholm als gebucht in die Ablage und lächle.

Einige Stunden später sitze ich im Fasching-Jazzclub und warte auf Michael´s Gig, während ich mir den Lachs schmecken lasse. Mein Body schreit nach Nahrung, und mit jedem Bissen kehrt ein Stück Leben in mein übernächtigtes Dasein zurück. Patrick, Vanessa und der Herr Striegl lassen sich ein paar Biere bringen, während ich mit Wasser vorlieb nehme, erstmal.
Michael & Band spielen erwartungsgemäss hervorragend, wenngleich ich den ein oder anderen Kommentar des Herrn Songwriter nicht so wirklich cool finden kann. Anyway - ich sitze in einem Stockholmer Club und Michael spielt "Tribute to you"...!
Der Hauswein schmeckt eher nach "House-Party-Wine", und ich nehme Abstand von dem Gedanken an ein zweites Glas. Dafür entschädigt jedoch noch immer das Menu. Nicht zuletzt trägt auch das allgemeine Rauchverbot in schwedischen Bars und Cafés dazu bei, sich wohl zu fühlen. Die Nacht kann kommen !

Frühstück im Radisson, excellent. Ausgecheckt und raus ins Schneetreiben, das über Nacht die Stadt in weiss gekleidet hat. Keine Frage, Wollmützen sind hier oben ein absolutes "must have".
Wenig später sitzen wir in einem kleinen Cafe´ in der Kungsgatan, und ich starre durchs Fenster, zähle die Flocken und möchte einfach nur bleiben...
Kein klarer Gedanke macht sich breit, und ich weiss, dass ich diese Leere, die angefüllt ist mit Impressionen der vergangenen vierundzwanzig Stunden, mit zurück nehmen werde, ohne wenn und aber.
Bis auf ein paar unbedeutende Einwürfe meinerseits ist von mir nicht viel zu hören.
Lange her, dass mein Mundwerk so wenig von sich gegeben hat binnen vieler Stunden, und ich mit weniger als fünf Kippen am Tag komfortabel war.
Umso bezeichnender, dass ich dafür erst nach Schweden fliegen muss. Also muss ich wieder hin - a.s.a.p.

Samstag, November 19, 2005

Wie man sich bettet, so liegt man

Es war ne kurze Nacht. Nicht, dass es die erste gewesen wäre, nach der sich mein Körper am nächsten Morgen meldet und fragt, ob ich noch ganz bei Trost bin. In jüngeren Jahren ging dieser morgendlichen Mattheit immer ein weinhaltiger Abend voraus, heute jedoch krieg ich das frei Haus, ohne einen Tropfen des teuren Gesöffs.
Woran das wohl liegt?
Trixi bekocht derweil ihre Zwerge, wie sie mir vorhin schrieb, und ich falle langsamen Schrittes aus der Dusche im Gästehaus, krame in der Reistasche nach frischer Baumwollware und spür das Dauerabo in den Lendenwirbeln. Wie prickelnd ...
Es wird kalt, Temperatursturz binnen zwei Tagen, und so sehr ich mich auf Schweden freue, es ändert nichts daran, dass ich meine Garderobe noch einmal einer Wintertauglichkeitsprüfung unterziehen sollte.
Die Nummer mit dem Operator der ominösen Fluggesellschaft ist zwischenzeitlich durch die Buchhaltung spaziert: vierzig Euro (in Ziffern: 40!) hats laut Herrn Striegl gekostet. Das macht Laune. Dafür telefonieren andere zwei Monate lang - wir hingegen schafften das in schlappen zwanzig Minuten.

Mein gestriger Spontanbesuch bei meinen Lieben in Oberwinter endete am Krankenbett der chirurgischen Abteilung. Dort liegt Albert seit nunmehr drei Wochen. Als ich zuvor in Siggis Haustür stand, sagte ich unmittelbar nach dem HALLO, dass ich seit zwei Wochen daran denke, vorbei zu schauen, aber es irgendwie nie geschafft hätte. Sie schaut mich fassunglos an und erzählt mir dann die ganze Story, und dass sie am morgen noch meine Nummer gewählt habe. Ja, es gibt eben Geschehnisse, die bedürfen keines konventionellen Informationsflusses. Man spürt einfach, dass da was nicht stimmt - egal wie weit man weg ist.

Eigentlich müsste ich mich längst um meine Hamburgreise gekümmert haben, aber da die zurückliegenden Monate durchweg mit "Geduld und Gelassenheit" überschrieben waren, lächle ich und verschiebe die notwendigen Telefonate auf morgen. Dann wird sich auch meine Wirbelsäule ein wenig erholt haben, und ich muss das Telefonat nicht alle fünf Minuten mit einem "mmh" und "ahhh" unterbrechen.